Triëdere versammelte kulturelle Texte aus Theorie, Literatur und der bildenden Kunst —
zweimal jährlich, gebündelt um ein Thema.



Triëdere? — Triëdere!

Als Robert Musil 1926 den erhellenden und verfremdenden Blick auf Alltägliches beschrieb, den wir durch ein Fernrohr, ein Triëder eben, erreichen können, machte er sich keine großen Hoffnungen, dass seine Überlegungen für andere fruchtbringend sein würden:
  Auf solche Weise trägt also das Fernglas sowohl zum Verständnis des einzelnen Menschen bei als auch zu einer sich vertiefenden Verständnislosigkeit für das Menschsein. Indem es die gewohnten Zusammenhänge auflöst und die wirklichen entdeckt, ersetzt es eigentlich das Genie oder ist wenigstens eine Vorübung dazu. Vielleicht empfielt man es aber gerade darum vergeblich.¹
Wohl auch deswegen findet sich kein aufforderndes Rufzeichen hinter dem Titel seines Essays, das so gut zur grammatischen Form des Imperativs gepasst hätte. Stattdessen bleibt der vermeintliche Aufruf mit dem exotischen Klang offen stehen wie eine recht genau umrissene Frage, die sich langsam aber sicher misstraut und sich so gegen sich selbst wendet. An die Stelle des Nachdrucks rückt ein offensichtliches Schwanken, ein Hin und Her zwischen dem "Gewohnten" und dem "Wirklichen".
Dessen ungeachtet wurden die einzelnen Überlegungen des kurzen Textes meist als geschliffene Formulierungen für komplexe Problemstellungen des Schauens, Denkens und Schaffens zitiert. Doch neben der buchstäblichen Aufmerksamkeit für das Kleine und Alltägliche, dem Bestreben, sich aus engen Routinen zu lösen oder der gewitzten Reflexion auf die vielfältigen Medien unserer Wahrnehmung war für die Zeitschrift Triëdere noch etwas inspirierend: das Schwanken als produktiven, experimentellen Raum zwischen Verunsicherung und Beruhigung offen zu halten.
Dieser gemeinsame Nenner von bildender Kunst, Literatur und auch Theorie ist es, den Triëdere zweimal jährlich zur Diskussion stellt. Als konkrete Themenstellungen bieten sich dementsprechend Bereiche und Fragen an, die zwischen den wohlsortierten Ordnungen der Wissenschaften und der Künste liegen. Diese essayistisch abzuschreiten, das Wissen und Staunen immer wieder aneinander in Versuchung zu führen, ist unser Projekt.


Zur Edition

Anachronistisch wie ein Triëder erscheint die Zeitschrift als bibliophile Kleinauflage auf echtem Papier in Wien. Jeweils rechtzeitig im Herbst und im Frühjahr werden darin Beiträge versammelt, die irgendwo im breiten Spektrum zwischen bildender Kunst und Theorie zu verorten sind. Neben unserem Bestreben, das Format der Zeitschrift für Übersetzungen zu nutzen, ist es uns ein besonderes Anliegen, auch jüngere Beitragende im Heft vertreten zu wissen.
Jede Ausgabe wird dabei von einer/m Künstler/in bereichert, die/der auch eine kleine sammelwürdige Beigabe für unsere FörderabonnentInnen gestaltet. Durch den manuellen Aufwand an jedem Heft kann es auch zu kleineren Verzögerungen kommen — diese zahlen sich aber bestimmt aus.


Verein Zeitschrift Triëdere

Triëdere ist ein gemeinnütziges Projekt und operiert auf der institutionellen Basis des Vereins Zeitschrift Triëdere mit Sitz in Wien. Seit 2009 sind wir beständig darum bemüht nicht nur das Heft weiterzuentwickeln, sondern auch Lesungen und Diskussionsveranstaltungen zu organisieren. Dabei agieren wir nicht gewinnorientiert, sondern selbstausbeuterisch. Für ihre Unterstützung danken wir der Stadt Wien, MA7 — Literatur sowie dem Bundeskanzleramt Österreich, Kunstsektion. Seit 2016 erscheint Triëdere zudem in enger Kooperation mit dem Sonderzahl Verlag, Wien.



Ständige Redaktion

 
  Thomas Ballhausen
geboren 1975 in Wien. Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft, der Deutschen Philologie, der Philosophie und der Sprachkunst. Lehrbeauftragter an der Universität Wien und an der Universität Mozarteum Salzburg; literarische, essayistische und wissenschaftliche Publikationen. Herausgeber der Buchreihe Bibliothek der Nacht (Edition Atelier, Wien). Mehrere selbständige Veröffentlichungen, u.a. In dunklen Gegenden (Wien, 2014), Signaturen der Erinnerung (Wien, 2015) und Gespenstersprache (Wien, 2016).

 
  Peter Clar
geboren 1980 in Villach, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler. Studium der Komparatistik, Spanisch und der Germanistik, seit 2015 Assistenz- Professor an der Universität Danzig, Polen. Zahlreiche wissenschaftliche und literarische Veröffentlichungen. Mitbegründer von AKA — Arbeitskreis Kulturanalyse, seitdem im Vorstand des Vereins. Zu seinen literarischen Arbeiten zählen unter anderen Nehmen Sie mich beim Wort (Sonderzahl, 2009), der mit der Autorenprämie des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur für literarische Debüts ausgezeichnet wurde, und Alles was der Fall ist (Sonderzahl, 2011).

 
  Andreas Huber
2005 Gründung der Galerie Andreas Huber, seither regelmäßig Ausstellungen und internationale Messeteilnahmen. Weiters kuratorische Projekte u.a. in Neapel, Los Angeles, San Francisco, Berlin und Paris. Sommer 2016 Übersiedelung in ein Büro und verstärkt inhaltliche Betreuung von Ausstellungsprojekten. Die Galerie vertritt österreichische wie internationale KünstlerInnen wie u.a. Kaucyila Brooke, Carola Dertnig, Michael Part, Rudolf Polanszky und Travess Smalley.

 
  Matthias Schmidt
geboren 1984 in Wien, Literatur- und Kulturwissenschaftler, Buchgestalter. Studium der Philosophie und Germanistik in Wien, Visiting Scholar an der UC Berkeley. Gründungsmitglied von AKA — Arbeitskreis Kulturanalyse. Zahlreiche wissenschaftliche Publikationen, zuletzt: Rücksendungen zu Jacques Derridas Postkarte. Ein essayistisches Glossar. Hg. v. Matthias Schmidt. Wien/Berlin: Turia + Kant 2015; Trinh T. Minh-ha: Elsewhere, within here. Migration, Flucht und das Grenzereignis. Hg. mit Anna Babka. Wien: Turia + Kant 2017.




¹) Musil, Robert: "Triëdere", in: Ders.: Nachlaß zu Lebzeiten. In: Gesammelte Werke, Band 7: Kleine Prosa, Aphorismen, Autobiographisches. Hg. v. Adolf Frisé. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1978. 518-522.

 
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