Zwei Kostproben aus dem Gedicht-Zyklus: Nadeln

Von Mikael Vogel





Nadeln


Suche dich in den Tattoo-

Galerien, Erinnerungen an deinen
Körper, in den gewundenen Rosen und Räuschen, Mandelblüten-

Zweigen aufsteigend in die Ekstasen von Schulter-

Blättern, Drachen unterm hüftlang schneienden Haar, die Zärtlichkeit und

Gewalt




Blutgerinnungsgedichte für die Vergeblichkeit
und Jahre in unstopfbare Löcher



Erinnerung, Kunst des Selbstverrats.. deine

Augen spielten mit mir wie mit einer
Metapher, sehe dich liegen wo du lagst, deine Fratzen verewigt im

Müll auf den Bordsteinen und Straßennetze in beliebigen

Regen beliebiger Tage in beliebigen

Städten und Depressionen — du hast dich verändert irgend-
Wo bist eine andere geworden und werde ich dich je wiedersehen habe sengende

Angst vor dir davor dir jemals wieder gegenüberzu-
Stehen und Angst dich nie mehr wiederzusehen. Füttertest mich mit Stacheldraht und nackt an deine

Tattoos geschmiegt einschlafen alle Sinne mit deinen Zähnen und

Gefahren angefüllt





Textnachweise:
'Nadeln' erschien in Mikael Vogels Gedichtband Massenhaft Tiere, © Verlagshaus J. Frank, Berlin 2011. Wiederabgedruckt in: Triëdere 2/2011, S. 10.
'Blutgerinnungsgedichte für die Vergeblichkeit und Jahre in unstopfbare Löcher' erschien erstmalig in Triëdere 2/2011, S. 18.



 
 
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