A Sense of Yuma
(Auszug)

Von Ole Frahm



Indianer, so heißt es, hätten keinen Humor, "no sense of humor", wie Ignatz Mouse am 8. April 1920 in verschiedenen Zeitungen des Konzerns von William Randolph Hearst mitteilt. Sein Counterpart Krazy Kat, nach der auch der Strip von George Herriman benannt ist, widerspricht. "Some of them has." Welche? "Them as comes from 'Yuma' has." Und als ob dieses Wortspiel nicht genügen würde, deduziert eine der populärsten Figuren ihrer Zeit: "Because if they come from 'Yuma' they must be 'Yumarists' — and being 'Yumarists' they must also have a 'sense of Yuma'". Im letzten Panel sehen wir Ignatz Mouse dabei, einen Ziegelstein aufzuheben, während Krazy Kat davon träumt, dass ein Ziegelstein angeflogen kommt. Dieses Mal wird der Steinwurf — anders als meist zu dieser Zeit — ausbleiben, denn Offissa Pupp ermahnt Ignatz den Stein liegen zu lassen. Diese Pointe des Streifens erschließt sich dem heutigen wie dem zeitgenössischen Leser nur, wenn er weitere Strips des Paares kennt, in | denen die Dreiecksbeziehung zwischen Hund, Katze und Maus variiert wird. Die Natur ist hier so auf den Kopf gestellt, wie das Verständnis der Sprache: Die Katze liebt die Maus und versteht die Ziegelsteine, die sie von der Maus an den Kopf bekommt, als Liebesbeweis.

Die Maus wiederum verachtet die Katze und hat ihre Lebensaufgabe darin gefunden, ihr Steine an den Kopf zu werfen, was von dem Polizisten, einem nach der Katze verrückten Hund, geahndet wird, indem er die Maus in das aus Ziegelsteinen gemauerte Gefängnis wirft. In diesem Fall unterbindet die Polizei durch Androhung der Strafe, dass die kleine Maus die Dummheit der Katze bestraft. Doch ist die Katze wirklich dumm? Provoziert sie nicht geradezu, wie ihr Wunsch eines fliegenden Ziegelsteins andeutet, durch ihr aberwitziges Wortspiel, dass die Maus den Stein werfen soll?
Die Pointe bestimmt sicherlich nicht den Witz dieses Strips, sondern zieht die seriell notwendige Konsequenz aus dem Wortspiel zwischen humor und yuma, humorist and yumarist. In der Zeit der frühen Comics, als diese noch funnies genannt wurden, also zwischen 1895 und 1925, ist diese Form des Scherzes, der die Differenz zwischen Geschriebenem und Gesprochenem, Schriftbild und Höreindruck ausbeutet, nicht unüblich. Sicherlich drückt sich darin die Verfassung der Sprache in der Einwanderergesellschaft aus, die in ihren unterschiedlichen Aneignungen und Produktionen des Englischen dessen Bandweite erweiterte, mögliche Missverständnisse vervielfältigte und um zahlreiche Aussprachen bereicherte. In einem früheren Strip fragt Krazy Kat, warum es Sprache gibt (Abb. 1). Ignatz Mouse antwortet ganz dem Sinn und dem Signifikat verpflichtet: "Language is, that we may understand one another." Krazy fragt daraufhin, ob "a finn or a leplender or a oshkosher" Ignatz verstehen könnte, was dieser verneint, nicht zuletzt, weil er wie alle Leser nicht weiß, welche Sprache die "oshkosher" sprechen — kommen sie nicht aus Oshkosh, Wisconsin (Abb. 2)? Doch weil Finnen, Lappen, Oshkosher und Ignatz einander nicht verstehen, schließt die Katze folgerichtig: "Language is, that we may mis-unda-stend each udda".

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Der vollständige Text A Sense of Yuma von Ole Frahm erschien in Triëdere 1/2012, 14-21.



 
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