List der Bescheidenheit:
Astrid Nischkauers frisch gepresste Parasiten



von G.H.H.
 
   


 
... hatte mir also notiert: Tropfenförmige Vollendung. Nun frage ich mich, dabei ist es erst ein paar Tage her, warum? Vielleicht, weil jede Überschrift und jede Zeile, manchmal nur eine und nur ein Wort, wie mit der Pipette aufs Papier aufgetragen ist — darum also? Auf der Rückseite des Hefts steht ein großes Versprechen: "Das Parasitenparadox / immer noch ungelöst"; aber ein Versprechen auf was? Natürlich: auf Witz! auf Wörtlichkeit! aufs um die Ecke immer schön gradeaus denken! Wenn sie das nicht kann, wer dann? Im Impressum steht außerdem: "Ausgabe zum 15-jährigen Verlagsjubiläum / parasitenpresse köln"; eine Summe also? Aber listig!


Astrid Nischkauer scheint ganz hinter der Aufgabe zurückzutreten, das fünfzehnte Jahr einer bescheidenen Reihe zum denkwürdigsten zu machen, indem sie eine Summe zieht, die dorthin reicht, wovor die Lyrik zurückweicht. Damit gelangt sie ganz zu sich selbst und nimmt den armen Lyrikern gar nichts weg, die gar nicht zu sich selbst gelangen, weil sie woanders hin wollen. List der Bescheidenheit! Das ist ein ganz unbescheidenes Versprechen auf mehr, von Zeit zu Zeit.



Astrid Nischkauer: frisch gepresste Parasiten. Köln: parasitenpresse 2015.









 
 
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